Weinnase auf den Azoren 2003

Newsletter Nr. 183: ... auch ein Amerikanischer Traum!


Den will sich jeder Acoreano erfüllen. Den Traum vom Haus in Florida, oder in California. Na klar.
Man(n) hat's "geschafft" in Amerika. Die Kinder und Enkel sind geborene Americanos. Der Vater stammt noch von Ajos, von unserer kl. Azoren-Insel. Die Mutter von East Providence.
Nur... hier hin, da wollen sie nicht, die Pänze. Ist ihnen zu -einfach-, zu ruhig, zu... "unamerikanisch". Und überhaupt, es versteht sie doch keiner auf der Insel, die für die kleiner als ein amerikanischer Alb-Traum-Vorort ist. Für -mindestens einen Elternteil- aber noch die Heimat ist. Geblieben ist.

Denn wie's mal so gewesen ist, vor 30, 40 oder 50 Jahren, als die leidvolle Auswanderung in ein so absolut fremdes -reiches- Land bevorstand, ist nun auch nicht mehr. Die Acoren sind EG-Fördergebiet "1A" und mit allem ist alles gut versorgt.
Nur genügend und "gutbezahlte" sowie leicht & moderne Arbeit, die gibt's trotz vieler "In-den-Sand-verlaufen"-Projekte aus EG-Mitteln, noch immer nicht. Aber eines können die Acoreanos doch viel viel besser als so... vor noch 20 Jahren. Heute bräuchte eigentlich niemand auszuwandern. Es sei denn, er hätt' den "Amerikanischen Traum" der einstigen Auswanderer im Kopf: Erfolg u. REICH! Und als solcher dann in die "Alte" Heimat zurückkehren: Als ERFLOGREICHER nach Anjos, auf der Ilha do Santa Maria dos Acores!

Kaum einer der "alten" Schulfreunde, der Spielkameraden von einst erinnert sicsh noch an den schüchternen, "dümmlich" wirkenden Jóa Luis... und seinen Amerikanischen Traum, den er nun den erstanten alten Fischern, dem versoffenen Amigo Ruiz, so voller Stolz per VIDEO "erzählt"; sein "big house" in Florida, in Tampa, von "big deals" und den Kindern an der UNI von California als "Teacher" hoch in Ehren und Dr.-Würden präsentiert.
Ja, er hat sich seinen Amerikanischen Traum erfüllt; die Prostata, die quält ihn. Oft mehr als sein Banker mit tief-fallenden Broker-Kursen.
Sein Kind - Lou mault auch noch dazu. Will partout nicht länger bleiben; "it's a small, small Island" halt, dieses Santa Maria im Atlantik. Und als fesche Amerikannische Traum-Mutter ("Grandma") fehlt's eben hi und da und der smarte Serge, der Friseur, der fehlt ihr gar sehr. Und der Club, ach dieser Club! Fast kommen ihr die Tränen in die perfect gelinerten Eyes, den, den vermisst sie gar noch mehr!

Und das große Haus mit Pool an der Karibik-Beach, und den "Plymouth", den doch auch! Und erst die Kinder, ja die Kinder. Die doch auch! Ihr ist's egal mit diesem Brauch, bei so kaltem Wetter (bei +23 Grad C(!), zu füllen hier den anderen Bauch: "Espirito Santo"-Party!

Und dann noch das ganze Haus so voller "Gäste", die sie noch nicht mal "etwas" verstehen und an alles so ungeniert "rangehen"! Da will sie lieber heut' als morgen wieder "rüber" gehen!
Nur, so -einfach- "up, up and away", daß geht nun nicht mehr. Er, der ehemalige Junge Mann von Ajos hat sich hier -wie scheusslich- auch ein Haus gekauft (gebaut; vom daheimgebliebenen kleinen Bruder bauen lassen!). Sich damit seinen Teil vom Amerikanischen Traum "erfüllt"!

Nun stellt er eben gerade fest, das sein alter (Schul-)Freund José-Maria ihn nun absolut nicht beneidet oder "respektiert", gar ihn - kaum noch der Marieenser "Sprache" mächtig - so "richtig" versteht. Und dies, obwohl genug "Jonny Walker" rumsteht.
Bis dann der "müde" wirkende, alte Fischer Manolo so als erster geht. Morgen um 4:30 h geht er - wie die letzten 42 Jahre auch - wieder rauf auf's Boot - knapp 6 1/2 Meter lang und an die 60 Jahre alt - und dort draussen auf dem Atlantik tut er, was ein Fischer -wie er- doch immer tut.
Auf der Hut sein vor plötzlichem Wetterwechsel, vor den tückischen Untiefen bei den Formingas und von größten aller Fische träumen (mit 480 kg u. knapp 5 Metern in 1995 als "Traum-Weltrekord" dort gefangen!): Dem Blauen Schwertfisch!

Den "Freund", als damals schon der "Dümmste", den kann er nun gar nicht mehr verstehen! Sich in Anjos einen solchen "Palast" zu bauen und nur 1,2 max. 3 -wenn die Ameriaknerin es gestattet- Monate dort wohnen, das -u.v.m.- das versteht er nicht und er hält es -schlicht wie er ist- für dumm!

Wenn dies der "Amerikanische Traum" gewesen sein soll, ist er froh, nie solche "Verrücktheiten" geträumt zu haben.
Und den Wiskey, den mag er auch nicht so sonderlich. Hat 'ne Karaffe mit Vinho, etwas Brot von Maria aus'm Ofen, den festen Käse vom Nachbarn -wie immer- dabei und fühlt sich frei und zufrieden! Er, er ist nur -einfach- geblieben und daß, was sein Großvater und Vater -von dem er das Holzboot einst "übernommen" hat- einst war: Fischer auf unserer kl. Azoren-Insel. Seit Generationen sind die Pacheco's die Fischer dort.
Ist nun mal so, die einen gehen fort, nach hier und da, bis nach Amerika u. Canada. Erfüllen sich >so< ihre sog. Amerikanischen Träume. Und die anderen, wie er und sein Nachbar Bartelo, der Milch-Bauer, die   l e b e n   in einer anderen, für uns ganz "anderen Welt", die mancher für'n TRAUM hält.
So ist das so, auf unseren Dörfern u. Weilern auf unserer kl. Atlantik-Insel, wenn die Americanos "wiederkehren"! Sich Geschichten aus "alten Tagen" und von Freunden erzählen, die schon lange hier liegen u. "träumen".

Die anderen alten Freunde, die in der "kargen" Alten Heimat blieben, die interessierte der präsentierte "Amerikanische Traum" wohl nicht so sonderlich.
Fast könnt' man -wie ich- meinen, sie sahen eher dort einen Alb-Traum. Doch so fragen, das mag ich nun doch nicht!

Eure Weinnase,
die gaaaaanz andere "Wein-Träume" hat: *R*-Himmel