Weinnase in Brasilien 2008

XXXXII. Wein von der "Fischer-Insel" in Rio Grande (do Sul)!

27.11.2008

Bom Dia!

Inmitten der Lagoa dos Patos, der Enten-Lagune, unweit der alten kolonialen Hafenstadt Rio Grande, die diesem brasilianischen Bundeland seinen Namen gegeben hat >Rio Grande do Sul<, liegt eine kleine, grüne Insel. Eine Insel und ein Refugium für zahlreiche Wasservögel: Ilha dos Marinheiros, die "Fischer-Insel"!
Da die Hafenstadt einen -den enzigen schiffbaren- Zugang zum Atlantik hat, ist sie für das Land und die Wirtschaft von großer Bedeutung. Der Canal do Norte trennt das Centro der alten Hafenstadt von der vorgelagerten, größten Insel im Gebiet der riesenhaften Lagune voller Süßwasser. Vom alten Hafen gehen kleine Barkassen, auch zu der Fischer-Insel, zu vielen anderen Häfen und Inselchen in der Lagune ab. Und dann ist man sehr erstaunt, hier auf der sandigen Insel einen Weinanbau, seit alten Zeiten so betrieben, zu finden. Handarbeit bringt hier einen typischen Wein hervor, den ich leider -es dauert noch bis zur Erntezeit- Ende Nov. 2008 nicht verkosten konnte. Auch in den Geschäften der alten Stadt am Meer (19.02.1737), mit ihren ca. 200.000 Einwohnern, fand ich keinen einzigen der von mir gesuchten >Weine von der Fischer-Insel< von Rio Grande.
Zwar weiß man von "ihm", nur kaufen konnte ich keine einzige Flasche dieses "Fischer-Weines" von Rio Grande do Sul, geschweige denn degustieren. Da es aber nicht unser letzter Besuch in der ältesten Stadt des Landes gewesen sein wird, werde ich hier weiter auf die Suche gehen: "Wein fischen" gehen!

Das uns der historische Teil der Stadt an See und Meer gefallen hat, ist zu verstehen, wenn man die "gesichtslose" Stadt der Region, die Kreisstadt Pelotas gesehen hat. Rio Grande bietet da schon mehr Flair und "bunteres Leben" als die wesentlich größere Handels- und Uni-Stadt Pelotas, die ebenfalls einen Binnenhafen am Lagoa dos Patos, der Lagune hat, aber gar keinen Charme und "arm" an historischen Gebäuden ist.
Nur..., die "Alte Stadt an See und Meer" ist für uns 3 1/2 Std. per Busverbindungen schlecht und zu teuer zu erreichen. Wir würden gerne von Pelotas auf die Hafenstadt Rio Grande "ausweichen": Und nicht nur wegen des Weinanbaus im Enten-See! www.riograndeturismo.com.br.
Wer diese Stadt mal besuchen und an dem phantastischen Strandgebiet von >CASSINO< sich am Atlantik tummeln möchte, dem kann man dort das Apart-Hotel "Villa Moura", mit überdachtem Thermalbad und Restaurant mit Panorama-Blick empfehlen. Von der gleichen Gruppe gibts es, im Herzen des historischen Viertels, das elegante und kürzlich erst eröffnete "Paris-Hotel". Stilvoll mit Antiquitäten und großzügigen Zimmern, in einem renoviertem Altbau, um einen kleinen Patio gelegen. Fußläufig davon sind alle Sehenswürdigkeiten unschwer zu erreichen. Ebenso das 8-geschossige "Exclusiv-Hotel" der Gruppe im Zentrum für 275 R$ im luxuriösem DZ/Fr. an der Rua General Netto 165.
Die "Altstadt", das als "historisch" geltende Stadtteil mit seinem alten Hafen, dem >Porto Velho< liegt auf der Spitze einer Landzunge, die in den Lagoa dos Patos reicht. Von hier aus kamen sie als Einwanderer aus Europa. Gerufen als gewünschte Siedler in dies so weite, menschenleere Land in der Neuen Welt. Nach Südamerika, nach Brasilien. Besonders viele der damaligen Abkömmlinge kamen aus Deutschland, daß sie um bessere Lebensbedingungen willens verlassen hatten. Dem Elend der Heimat wollten sie entfliehen, um als Siedler auf zugewiesenem Land dieses urbar zu machen und sich eine bescheidene Existenz, größtenteils in bäuerlichen Strukturen der sog. Colonias, aufzubauen. Sie taten sich dies ohne Sprachkenntnisse und Wissen über das Land zutrauen.

Von dieser kleinen Hafenstadt am See und Meer kamen sie hier und wurden, von kaiserlich-brasilianischen Soldaten und landeskundigen Führern in die Siedlungsgebiete in die Weite der Pampa gebracht. Große Trecks, mit schweren Ochsengespannen, Pferdewagen und die meisten von ihnen so weit die eigenen Füße sie und die paar Habseligkeiten, meist nur die Kleider, die sie aus der "Alten Heiman" her und auf der langen Überfahrt trugen, brachten.
Tage, Wochen und Monate dauerte oft ein solcher Treck. Durch eine Wildnis und in ein fremdes Land. Auf ihrer ersten Station wurden SIE zu den Eroberern im Auftrage ihrer kaiserlichen Majestät und blieben als Deutsche in den Siedlungen meist zusammen und halfen sich gegenseitig beim Auf- und Hausbau einfachster Behausungen. Machten die Böden urbar, größtenteils in knochenschinderischer Handarbeit, selten mit der Hilfe von Pferden oder Ochsen als Ackertiere. Und sie schufteten wie diese. Vom Morgengrauen bis zur späten Nacht.
Sie hatten es auf zugewiesenem Land, nach 2 oder 3 Generationen geschafft und sich eine bäuerliche Existenz aufgebaut. Kleine Handwerksbetriebe und Handelsfirmen gegründet und Siedlungen, Dörfer und kleine Städtchen begründet und sich als Brasilianer in ihr neues Leben mit sehr schwerer Arbeit und Entbehrungen geschickt. Sie bildeten als Fremde in einer Neuen Welt eine Gesellschaft von fleissigen und meist "landvernarrten" Bürgern in Brasiliens Süden. Sie wurden "Gauchos" und formten somit wesentlich ihre neue Heimat: Das Land Rio Grande do Sul!

Wieviele dieser mutigen Menschen auf ihren Weg in ihre Zukunf kamen, ist nie ganz genau erfasst. Wieviele so dabei umkamen, nie aufgezeichnet worden. Die meisten von ihnen kamen übr die Weite des Meeres in ein Land von Weite und Leere, von dem sie so gut wie nichts wussten. Und sie mussten lernen, sich hier zu bekämpfen und -erfolgreich- zu überleben, nach dem sie im alten Hafen der kl. Stadt am See und Meer angekommen waren. Meist in Scharen, siedlungswilliger Einwanderer gingen sie von hier, weit im Süden Brasiliens, fast an der uruguayischen Grenze, los, als willkommene Kolonisten. Diese kleine, befestigte Hafenstadt am Atlantik und der großen Lagune gelegen, war ihr Tor zur neuen Heimat. Der Beginn einer Geschichte, die das Land seit ca. 150 Jahren prägte und die Menschen formte!
Rio Grande ist heute eine kleine, moderne Hafenstadt, die sich weiter "mausert" und zu einem wichtigen Zentrum des süd-amerikanischen (See-)Handels im MERCOSUL-Cargo-System und internationalem Bereich wird. Dies wird nun mit sehr großem, milliardenschweren Investitionsbestrebungen in Bälde noch weiter zur Industrie-Zone von Bedeutung für Brasilen ausgebaut werden.

Es bleibt zu hoffen, das die Heiterkeit dieser Stadt mit Charme erhalten bleibt und Zeugnis für seine Vergangenheit, als "Tor zur Neuen Welt" erhalten bleibt. Und als "Seebad", beim Ortsteil Cassino als Zentrum für Kultur in und mit der Natur sich "vorsichtig" entwickeln lässt! Rio Grande hat die Chance, Moderne und Historie perfekt miteinander zu verbinden und sich als weitere "Perle Brasilien" zu entwickeln. Genügend respektble Ansätze sind schon erfreulicherweise sichtbare Bemühungen von Stadt und Land.
Überall putzt sich die Stadt heraus. Renoviert seinen bedeutenden Schatz an historischen -architektonischen- Gebäuden und entwickelt den Seebad-Bereich konsequent am Atlantik-Strand von über 200 km (!) Länge, in einer Dünenlandschaft, weiter als touristisches Highlight. Schon jetzt bieten gepflegte, kleine Pousadas, einige moderne Hotels sowie viele gastronomische Betriebe sich den, meist heimischen, Gästen an.
Auch aus dem benachbarten Ausland steigt die Buchungs- und Besucherzahl im Stadtbereich Cassino, dem Balneario an der weiten >Praia do Cassino< von Rio Grande am Atlantik-Strand mit feinem, weißen Sand, so weit das -erstaunte- Auge reicht.

CpS


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