Weinnasen-Geschichten aus 2007

Das arme "DeGu-Schwein"!


13.09.2007

Was ich also gar nicht an "DeGu's" mag, ist: Wenn ein Schnösel mir sein riedeliges Kult-Glas unter die olle Weinnase hält und mich, etwas arrogant fragt, ob ich denn wüsste, welcher Wein es im Glase -geschüttelt- ist.

Vorher, noch bei Beginn dieser wieder so seltsamen Kult-Wein-Degu für 68 Euro pro Person, fragte dieser Kultwein-Jäger noch, ob ich wohl die berüchtigte olle Weinnase sein könnte, was ich, etwas verblüfft, mit: "Ja, der soll ich sein" ihm lächelnd quittierte.
Welches dann, meiner Meinung, wohl der lohnenswerteste Wein des Abends sein könnte, fragte er dann noch, nachdem er mich taxiert hatte. Als er meine Antwort hörte, etwas irritiert wirkend, verzog er sich wieder zu den Seinen, im spöttenden Kreis der "Wein-Yuppies", sich sichtbar wohler fühlend.

Ich mag diese Art von "Hahnenkampf" nun ganz und gar nicht. "High"-Noon auf DeGu's, wo sich Gurus, Professionelle, Weinfreunde und, ab und an, auch ich mich mal einfinde: als geladener Gast! Ein, zwei Wein-Plusler wuselten noch - schwer beeindruckt und arg gestresst - sich zu den Trophäen der "Internationalen TOP of the Best" der DeGu durch. Zwei Weinfach-Journalisten "simpelten" mit einem der "traurigen" Winzer -etwas flach- "Fach" und gaben lauthals ihre Fach-Meinung schon vor Drucklegung heraus. An jeden. Auch an mich, ders nicht unbedingt hören wollte, dieses Gechwätz von und über dies Ranking, der zur Degustation anstehenden "Top Ten" des heutigen Abends.

Aufs lauwarme "Sprudelwasser" als Gaumenerfrischung verzichtete ich, ebenso aufs Lidl-Aufback "Pariser Brot" von "Maître Jean". Auf die Begleitung der charmanten End-Vierzigerin mit "Nina Colletti's" L'Air du Bluff verzichtete ich sehr energisch wie fluchtartig ins Freie eines Hinterhof-Gärtchens.
Dort konnte ich dann erstmal an diesem DeGu-Abend (m)einen Wein genießen. Mich mit ihm ins "Zwiegespräch unter Freunden" einlassen und ihm meine "stille Frage" -bangend- beantworten, die da hieß: "Lebst du immer noch, alter Freund?"
Über mehrere Jahrzehnte meines "Seins als Weinnase" hatte ich diesen Wein schon des öfteren im Glas gehabt. Der gleiche Jahrgang, derselbe Wein, nur genauso gealtert, d.h. in Würde gereift und etwas zugänglicher, leichter verständlich. Der Wein hatte an diesem Abend seine "Kryptik" aufgegeben. Dieser Rotwein-Schatz war heute unübertrefflich, in mir eine Gier nach mehr als die Menge von 1 cl aus der DeGu-Flasche dieses, tatsächlich noch genügenden vorhandenen, französischen Rotweins.

Der Kreis der "Wein-Yuppies" um den BOSS-Träger mit der schicken PIAGET -oder wars 'ne BREITLING?- hatte sich etwas Mut angetrunken und sich auf mich mit Spöttereien und "klugen Sprüchen" - ausgerechnet auf mich "Peace-Nic" - "eingeschossen"; als Opfer auserkoren, als Depp angesehen!
Scheints hatte mein junger, elanvoller Weinfreund von soeben meine Antwort, meinen "Weinnasen"-Tipp zu dem "TOPP-HOPP"-Wein des Abends weitergegeben, "zum Besten" gegeben! Die "Heroes of Wine", alle Neune, waren sich alle sehr sicher, welcher nun der Ultimativ-Hit aus den "TOP TEN" sein wird und hielten meine Wahl für lächerlich und mich für 'ne ebensolche "traurige" Witzfigur"!

Nun, die DeGu fand ihr Ende und die Bewertungen sprachen (mal wieder) Bände, von Schwachsinn bis Inkompetenz, von Arroganz und Ignoranz! Zuviel an Unverstand zu dem Wein meiner "geheimen" Wahl. Natürlich, folgerichtig, so wie ichs DeGu-Publikum einschätzte, gehörte meine Auswahl nicht zu den TEN OF THE BEST, und der Rest dieses Weines blieb - was mir sehr lieb war - mein für den Abschluß der DeGu im kleinen Hinterhof-Gärtchen. Da saß ich ganz allein mit dem Wein, zugegeben "nur" der 11.te im Ranking aller Weine. Aber dafür hatte ich den Flaschenrest - den niemand von den Wein-Expoerten mehr mochte - für mich ganz allein.
Schon eine halbe Flasche hätte z.Zt. ca. 100,00 Euro gekostet, vom >> 1976er COS D'ESTOURNEL, St. Estephe, Bdx. <<, ein feiner, reicher Wein mit vollem Körper und Frucht und kräftigem Duft von schw. Johanisbeeren, Tabak und Zedernholz.
Bbin ich doch sichtlich frohgelaunt, daß ich nicht immer nur "das Beste" für mich in Anspruch nehme. Lieber mit genügend von Reste des "Zweitbesten" voll und ganz zufrieden bin.

Tja, es liegt wohl doch an meiner generationen-langen Erfahrung, daß ich mich bescheiden und mit dem Bdx. meiner Wahl zufrieden war. Den Rest der Nacht, in der der "Beste von Zehne" von neun malklugen jungen Herren - wie zu erwarten - nicht "geraten" wurde.
Den für mich "Besten Freund" hatte ich ergattert, ohne mich ums Ranking oder Preisverleihung zu kümmern!

CpS


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